Köln: 24.–26.05.2023 #polismobility

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NEUES LEBENSGEFÜHL FÜR DIE PULSIERENDE METROPOLE

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In Anlehnung an das bekannte New Yorker Vorbild wird in London schon bald eine eigene Highline entstehen. Im Mittelpunkt: Homo sapiens, Flora und Fauna. Die neue Camden Highline soll künftig ermöglichen, in luftiger Höhe, naturnah und mit erholsamer Atmosphäre die metropolitane Stadtdichte abseits des pulsierenden Trubels fußläufig zu durchqueren – und schafft so einen qualitätvollen Ort der Begegnung.

Grün, erholsam, flächeneffizient: Mit der Camden Highline soll in London ein neuer Fußgängerpark entstehen. © JCFO

Grün, erholsam, flächeneffizient: Mit der Camden Highline soll in London ein neuer Fußgängerpark entstehen. © JCFO

In London war 2019 ein Wettbewerb ausgelobt worden, um einen neuen Skypark im Herzen der Stadt zu entwerfen. Das in Camden ansässige Büro vPPR Architects hatte sich in diesem Zuge mit dem Team rund um James Corner von Field Operations zusammengeschlossen, um einen Masterplan für die Camden Highline auszuarbeiten. Nach einem Auswahlprozess mit mehreren Entscheidungsrunden wurde ihr gemeinsamer Designvorschlag schließlich im März 2021 als Gewinner bekanntgegeben. Das Besondere: Mit Field Operations ist nun ausgerechnet jenes renommierte Planungsbüro an der Umsetzung des Projekts beteiligt, das bereits mit der Realisierung der 2,3 km langen New Yorker Highline erfolgreiche Pionierarbeit in puncto „pedestrian-friendly infrastructure” leisten konnte: Eine ehemalige Güterzugtrasse wurde dort in eine urbane innerstädtische Fußgängerzone umgebaut, die nun bereits seit 2009 als Park inmitten von Manhattans West Side fungiert.

Spazierroute von den Camden Gardens bis zum York Way

Gleiches soll künftig auch mit der neuen Camden Highline angestrebt werden: Ein dort stillgelegter Abschnitt des Eisenbahnviadukts, gelegen in sechs bis acht Metern Höhe, soll in einen neuen Park mit Spazierroute transformiert werden. Der Gewinnerentwurf visualisiert die 1,2 km lange Konstruktion als einen Ort der Begegnung, der mit verschiedenen Sitzmöglichkeiten, Cafés, öffentlicher Kunst und karitativen Aktivitäten einen Raum der Inspiration, des gemeinsamen Lernens und der Erholung bieten soll. Startpunkt der Highline sind die Camden Gardens, fußläufig nur fünf Minuten vom Camden Town Underground sowie vom Camden Market entfernt. Von dort aus folgt sie Richtung Osten der Camden Road, kreuzt dann die Camley Street und endet schließlich am York Way, von dem aus in wiederum nur fünf Gehminuten King’s Cross zu erreichen ist.

Aktivmobilität in London nach New Yorker Vorbild: Der neue Fußgängerpark soll eine fußläufige Verbindung von den Camden Gardens bis zum York Way schaffen.

Aktivmobilität in London nach New Yorker Vorbild: Der neue Fußgängerpark soll eine fußläufige Verbindung von den Camden Gardens bis zum York Way schaffen. © Camden Highline

Metropolitaner Platzmangel versus grüne Innenstadt

Insbesondere Großstädte und Metropolen haben stets mit ihrer wachsenden Dichte und damit verbundenem Platzmangel zu kämpfen. Immer mehr Menschen zieht es weg vom Land, hin in die Stadt – der Bedarf an Wohnraum steigt, aber eben auch an Grünflächen, die das innerstädtische Klima sowie die Lebensqualität positiv beeinflussen können. Ebenfalls nimmt der Tourismus zu.

Neue Mobilitätskonzpete für urbane Dichte

Die Mobilitätsfrage – mitsamt der Implementierung neuer Mobilitätskonzepte – ist ein essenzieller Bestandteil, wenn es um die (Neu-)Gestaltung des öffentlichen Raums geht. Für die Zukunftsfähigkeit von Städten muss einer Infrastrukturüberlastung zunehmend gezielt entgegengewirkt werden. In der logischen Konsequenz wächst indes auch die Rolle der Aktivmobilität – und die Typologie der „Highline” erweist sich in diesem Kontext gleich mehrfach als clevere Lösung. Nicht nur mit kurzen Wegen, sondern insbesondere in puncto Flächeneffizienz kann sie überzeugen: Ihrer baulichen Natur nach siedelt sich die Typologie oberhalb einer bereits bebauten Straßenniveau-Fläche an und ist somit in der Lage, Mobilität auf mehreren Ebenen gleichzeitig zu realisieren, ohne zusätzlichen Platz zu beanspruchen oder gar neue versiegelte (Grund-)Flächen zu erzeugen.

Exakt in dieser infrastrukturellen Doppelnutzung liegt auch die Stärke und Relevanz des neuen Londoner Parks: Das Projekt fokussiert eben jene Thematik des metropolitanen Platzmangels und reagiert, indem es sich die leerstehende Bahnkonstruktion – sprich die Typologie „Highline” – zunutze macht. Zudem werde der Abriss minimiert, betonen vPPR Architects, denn ihre Philosophie habe sich von Beginn an der Kreislaufwirtschaft verschrieben. Insgesamt greift die neue Camden Highline behutsam auf die historisch gewachsene Baustruktur zurück und formt einen neuen autonomen und erholsamen Fußgängerpark – gelegen nicht nur im Herzen der Stadt, sondern gleichsam mit perfekter Anbindung an die lokale Infrastruktur, inklusive aller öffentlichen Verkehrsmittel. Als ökologischer Korridor kann er künftig für mehr Biodiversität in der dichten Großstadt sorgen und für die rund 20.000 Menschen im Quartier sowie für Besucher:innen einen die Lebensqualität steigernden Gegenpol zum pulsierenden innerstädtischen Trubel und Lärm schaffen. James Corner bekräftigt: „Wenn du die Chance hast, in einer Stadt zu leben, die qualitätsvolle Grünflächen und Gärten und Highlines und Kanäle hat – Dinge, die Menschen draußen zusammenbringen, dann ist das einfach cool – es ist etwas, woran du teilhaben möchtest. Es braucht diese Magie, die Leute sagen lässt: In London möchte ich leben.”

Bottom­up als Katalysator für Transformationsprozesse

Hinter der Initiierung der Camden Highline steht eine gleichnamige lokale gemeinnützige Organisation, die einerseits für die Bereitstellung und andererseits für den späteren Betrieb des Parks verantwortlich ist. Derzeit liegt der Fokus auf dem Funding von finanzieller Unterstützung – und es herrscht Zuversicht, dass der Bau ab 2025 abschnittweise beginnen kann. Man darf also hoffen, dass neben der New Yorker Highline im Londoner Camden schon bald ein weiteres Best-Practice entstehen wird, als Vorbild für all jene, die nach zukunftsfähigen, ressourcenschonenden und gleichsam Natur-revitalisierenden sowie nutzerfreundlichen Lösungen im Kontext der „pedestrian-friendly infrastructure” suchen.

Autor

Marie Schwemin