Köln: 24.–26.05.2023 #polismobility

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Made in Sweden

Volvo und Northvolt skizzieren eine nachhaltige Zukunft

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In einem Joint Venture zwischen Volvo und Northvolt wird eine Batteriezellfabrik mit einer potenziellen Kapazität von bis zu 50 GWh pro Jahr errichtet.

Die ersten Zellen aus der Fabrik Northvolt Ett © Northvolt

Nachdem die Volvo Car Group als erster OEM Europas eine komplette Abkehr vom Verbrennungsmotor bis zum Jahr 2030 verkündete, folgt nun der nächste Schritt: In einem Joint Venture mit dem ebenfalls schwedischen Batteriehersteller Northvolt soll eine Batteriezellenfabrik mit einer potenziellen Kapazität von bis zu 50 GWh pro Jahr errichtet werden. Diese sollen vor allem in den eigenen Modellen Anwendung finden.

Die ersten Zellen aus der Fabrik Northvolt Ett © Northvolt

Was über einige Monate hinweg als Gerücht im Raum stand, ist seit Ende 2021 rechtskräftig: Die Volvo Car Group und Northvolt gründen gemeinsam ein Joint Venture mit einem Volumen von über drei Milliarden US-Dollar, an dem beide Parteien mit je 50 % beteiligt sein werden. Zentrales Anliegen der Kooperationspartner ist der Bau der neuen Batteriezellenfabrik Ett, die mit einer jährlichen Kapazität von bis zu 50 Gigawattstunden die Elektrofahrzeuge von Volvo und Tochter Polestar ausstatten soll – ab 2026. Obwohl der genaue Standort noch zur Diskussion steht, ist bereits beschlossene Sache, dass die dort gefertigten Produkte speziell auf den Antrieb der nächsten reinen Stromer-Generation der Gruppe zugeschnitten sein werden. Zu Beginn steht jedoch erst die Implementation eines Forschungs- und Entwicklungszentrums in Göteborg auf dem Plan, dessen Betriebsaufnahme noch für 2022 geplant ist.

Dass Volvo die Transformation hin zur Elektromobilität besonders ernst nimmt, bewies das Unternehmen schon Anfang 2021, als es den Ausstieg aus der Produktion von Fahrzeugen mit Verbrennungsmotor beschloss – Hybride eingeschlossen. Mit den selbst entwickelten Zellen soll die Abhängigkeit von externen Lieferungen nun ebenfalls beendet werden; zusätzlich soll der Kundschaft genau das geboten werden, wonach sie verlangt, nämlich kurze Ladezeiten und eine hohe Reichweite. 15 Gigawattstunden an Batteriezellen pro Jahr wird die Ende 2021 in Betrieb genommene Northvolt-Fabrik im nordschwedischen Skellefteå ab 2024 beisteuern, um den europäischen Bedarf zu sichern. Dieser wird stetig steigen; schließlich hat sich das Unternehmen zum Ziel gesetzt, bis 2025 50 % reine Elektroautos zu verkaufen. Zudem plant Polestar im Rahmen des Projekts „Polestar 0“ die Entwicklung des ersten sowohl in der Produktion als auch im Betrieb komplett klimaneutralen Fahrzeugs.

Das Argument, dass die Herstellung von Batterien für Elektroautos oftmals wenig mit Klimaneutralität zu tun habe, sondern im Gegenteil für einen großen Teil der gesamten Kohlenstoffemissionen im Lebenszyklus eines Fahrzeugs verantwortlich sei, wollen die schwedischen Partner entkräften: Die geografische Nähe zwischen Batterie- und Fahrzeugproduktion soll den ökologischen Fußabdruck reduzieren, außerdem soll die neue Fabrik vollständig mit erneuerbaren Energien betrieben werden. Die Vorteile betont auch Håkan Samuelsson, Vorstandvorsitzender der Volvo Car Group: „Durch die Zusammenarbeit mit Northvolt werden wir die Versorgung mit hochqualitativen und nachhaltigeren Batteriezellen für unsere reinen Elektroautos sicherstellen.“

Volvo ist mitnichten der einzige OEM, der das Potenzial von Northvolt um CEO Peter Carlsson erkannt hat. Auch Volkswagen investierte 2021 weitere 620 Millionen US-Dollar in das Unternehmen und hielt somit konstant die eigene Beteiligung von etwa 20 %, die seit Sommer 2019 besteht. Die Mittel sollen beispielsweise für den Kapazitätsausbau in Produktion, Recycling, Forschung und Entwicklung eingesetzt werden, zudem steht ein Ausbau der Produktionskapazität in Skellefteå an. Auch BMW und der schwedische Nutzfahrzeughersteller Scania zählen zu den Abnehmern der Northvolt-Batteriezelle, die im Übrigen die erste ist, deren komplette Herstellung – von Entwurf bis hin zu Entwicklung und Montage – in einer europäischen Gigafactory erfolgt. Für die europäische Automobilindustrie ist dies ein wichtiger Schritt, um die Abhängigkeit von asiatischen Herstellern und somit auch die Gefahr unabsehbarer Verzögerungen in der Lieferkette zu verringern. Northvolt-CEO Carlsson nimmt wie folgt Stellung: „Natürlich ist diese erste Zelle nur der Anfang. Wir freuen uns darauf, dass Northvolt Ett in den kommenden Jahren seine Produktionskapazitäten stark ausbauen wird, um den europäischen Übergang zu sauberer Energie zu ermöglichen.“

Ein bereits 2019 gegründetes Joint Venture zwischen Volkswagen und Northvolt, das der Errichtung und Inbetriebnahme einer Batteriezellenfabrik im niedersächsischen Salzgitter diente, haben die Wolfsburger Anfang 2021 vollständig übernommen. So soll die Stellung des Konzerns als weltweit größter Hersteller von Elektrofahrzeugen langfristig etabliert werden.

Die gemeinsamen Schritte von Northvolt und Volvo respektive Volkswagen bergen das Potenzial, den europäischen Automobilmarkt zu revolutionieren. Wie branchenintern mittlerweile gang und gäbe, liegt das langfristige Ziel darin, dem kalifornischen Dauerkonkurrenten Tesla den Rang abzulaufen. Die Batteriezellen „made in Sweden“ sollen hierfür die Weichen stellen.

Autor

David O‘Neill