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Das Metaverse als urbanes Experimentierfeld

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Virtuelle Realitäten entwickeln sich immer mehr zu einer Option für Planer:innen, um für das gebaute Konstrukt Stadt neue, innovative und zukunftsweisende Raumlösungen hervorzubringen. Die Gestaltung eines solchen urbanen Raums fokussiert derzeit auch das Team rund um Zaha Hadid Architects mit seiner Masterplanung für das Liberland Metaverse: ein virtuelles Modell des realen, international nicht anerkannten und unbewohnten Gebietes Liberland zwischen Kroatien und Serbien. Das Liberland Metaverse integriert Orte für soziale Interaktion, bietet Raum zum Experimentieren und zeigt, welches Potenzial virtuelle Realität für die Stadtgestaltung der Zukunft hervorbringen kann.

© ZHA/Render by Mytaverse

© ZHA/Render by Mytaverse

Digitale Tools, parametrisches Design, Virtual Reality (VR) und Augmented Reality (AR) sind im Kontext heutiger Architektur, Stadtplanung und Mobilität fast nicht mehr wegzudenken – sie gehören mittlerweile zum Standardrepertoire. Vor allem spielen sie in puncto Innovation und Fortschritt eine zentrale Rolle – schließlich eröffnen diese Instrumente schier grenzenlose Möglichkeiten zum Experimentieren. Mit dem Liberland Metaverse konzipiert und entwickelt Zaha Hadid Architects (ZHA) derzeit ein neues Projekt, das sich bewusst auf den Bereich der VR konzentriert. Es handelt sich um einen digitalen Zwilling im 1:1-Maßstab: Die Landmasse – in diesem Fall das brachliegende Niemandsland Liberland, gelegen an der Donau zwischen Serbien und Kroatien – bildet als geografisches Areal die Grundlage für die Planungen, die Architektur selbst befindet sich jedoch ausschließlich im Metaverse, sprich als digitale Masse im virtuellen Raum.

Masterplan Liberland Metaverse

Gestalterisch prägt eine parametrische Designsprache den Entwurf: Wellenförmige, geschwungene Konturen formen eine digitale Stadtstruktur, 4,3 km lang, zusammengesetzt aus Gebäuden, Grünflächen und Infrastruktur. Essenziell für den Masterplan des Liberland Metaverse sind unter anderem sieben Key Buildings: ein Rathaus mit dazugehöriger Plaza, ein DeFi-Zentrum (Decentralized Finance) mit Plaza, ein NFT-Zentrum mit Plaza und ein Ausstellungszentrum. Die Gebäude sind als modulare Varianten konzipiert, damit die virtuelle Welt flexibel an die sich wandelnden sozialen Bedürfnisse der Besucher:innen angepasst werden kann. Zu diesen gesellschaftlichen Notwendigkeiten und Bedürfnissen zählt auch eine menschenverträgliche Mobilität. Die digitale Stadt hat in Krypto-Kreisen einen hohen Bekanntheitsgrad und dadurch bereits über 600.000 Einwohner:innen.

Mit ihrem Masterplan für das Liberland Metaverse entwickeln Zaha Hadid Architects eine beeindruckende virtuelle Welt, die gestalterisch vor allem durch parametrisches Design und futuristische Anmutung auffällt. © Render by ZHA

Mit ihrem Masterplan für das Liberland Metaverse entwickeln Zaha Hadid Architects eine beeindruckende virtuelle Welt, die gestalterisch vor allem durch parametrisches Design und futuristische Anmutung auffällt. © Render by ZHA

Stadtanalogie in der Virtual Reality

Federführend an der Umsetzung beteiligt ist ZHA-Teilhaber und Architekt Patrick Schumacher. Er ist überzeugt, dass das Metaverse für die Disziplin der Architektur vielversprechende neue Möglichkeiten eröffnet – und das nicht nur hinsichtlich der Gestaltung. Auch wenn physische Umgebungen niemals obsolet würden, so seien virtuelle Umgebungen gleichermaßen real, denn auch hier existiere laut Schumacher eine soziale Realität. „Die wesentlichen Vorteile virtueller Umgebungen sind ihre globale Zugänglichkeit und ihre adaptive, parametrische Formbarkeit. Wir streben die Verflechtung von virtuellen und physischen Räumen an – so auch bei unserer Konzeption für das Liberland Metaverse“, erklärt Schumacher. Betreten können die Besucher:innen das Liberland Metaverse über die Cloud-basierte Plattform Mytaverse. Als Avatare können sie sich dann spontan und frei in der virtuellen Welt bewegen, etwa um sich auszutauschen, eine Ausstellung zu besuchen oder gemeinsame Ideen zu entwickeln.

Seit Wissenschaftler:innen und Forscher:innen in den 1960er-Jahren erstmals Konzepte und Technologien zur Schaffung einer immersiven, computergenerierten Umgebung entwickelten, hat sich eine Menge getan: Menschen können in der VR sowohl miteinander als auch mit virtuellen Objekten und ihrer virtuellen Umgebung interagieren – das gilt auch für das Liberland Metaverse. „Bei jedem Design geht es darum, soziale Interaktionen zu gestalten. Das Metaverse, zu dem ich beitragen möchte, unterstützt und wird Teil des produktiven gesellschaftlichen Lebens und ein integraler Bestandteil der gesellschaftlichen Produktion und gesellschaftlichen Reproduktion. Es bereichert die Gesellschaft und ermöglicht ein erfülltes, produktives Leben“, betont Schumacher. Um eine Analogie zur Stadt zu erzeugen, müsse daher auch eine virtuelle Welt nutzungsorientiert sein, sprich ausgerichtet auf angeborene und erlernte intuitive kognitive Fähigkeiten in Bezug auf Orientierung, Wegefindung und das Lesen subtiler ästhetischer sozialer Atmosphären und Situationen.

Die Besucher:innen können sich als Avatare frei im Liberland Metaverse bewegen und so die vielseitigen Orte im digitalen Raum erkunden – hier ist z.B. das Ausstellungszentrum zu sehen. © Render by ZHA

Die Besucher:innen können sich als Avatare frei im Liberland Metaverse bewegen und so die vielseitigen Orte im digitalen Raum erkunden – hier ist z.B. das Ausstellungszentrum zu sehen. © Render by ZHA

Virtuelle Sphäre als Katalysator für bessere Stadtgestaltung

Projekte wie das Liberland Metaverse ermöglichen es Planer:innen, das gebaute Konstrukt Stadt mitsamt seiner Infrastruktur kritisch infrage zu stellen. Kurzum kann die virtuelle Sphäre also in Zukunft dazu beitragen, unsere Städte zukunftsorientierter, innovativer, nachhaltiger und bedürfnisorientierter sowie im besten Falle sozial gerechter zu gestalten.