Köln: 24.–26.05.2023 #polismobility

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Über Partnerschaften, Innovationen und das Potenzial von Daten

MOBIL IM QUARTIER

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Csilla Letay im Gespräch mit Daniel Deparis, Head of Urban Mobility Solutions, Mercedes Benz Group AG

MOBIL IM QUARTIER © Mercedes Benz Group AG

MOBIL IM QUARTIER © Mercedes Benz Group AG

Herr Deparis, der Druck auf Städte und Ballungsräume wächst, Mobilität im städtischen Raum muss neu gedacht werden. Welche Rolle spielt die Mercedes-Benz Group AG im Feld der urbanen Mobilität?

Fester Bestandteil der nachhaltigen Geschäftsstrategie der Mercedes-Benz Group ist das Handlungsfeld „Mobilität für lebenswerte Städte“ mit dem Themenschwerpunkt „Nachhaltige urbane Mobilität“. Unser Ziel ist es, Städten und ihren Bewohner:innen sowie ganzen Regionen und einzelnen Quartieren bei ihren Anforderungen in den Bereichen Sicherheit, Nachhaltigkeit, Effizienz und Zugänglichkeit der Mobilität zu helfen.

Mobilität ist kontextbasiert: Wir glauben, dass es für jede Situation die passende Mobilitätslösung gibt – eine, die Bürger:innen und deren individuelle Bedürfnisse in den Mittelpunkt stellt. Um sie anbieten zu können, wollen wir bestehende Produkte weiter- entwickeln, bündeln und gleichzeitig neue Konzepte erarbeiten und testen. Mit diesem Ziel wurde 2019 der Bereich „Urban Mobility Solutions“ gegründet. Hier arbeiten wir als Team daran, Lösungen für eine sichere, effizientere, zugängliche und saubere Mobilität zu entwickeln und aufzubauen. Im letzten Jahr haben wir beispielsweise mit der Stadt London ein Tool geschaffen, mit dem Unfallschwerpunkte identifiziert werden – und das, bevor es dort zu ersten Kollisionen gekommen ist. Das ist ein ganz konkretes Beispiel, wie wir als Automobilhersteller helfen können, den Straßenverkehr für alle Teilnehmer und Teilnehmerinnen sicherer zu machen.

Das Thema E-Mobilität ist allgegenwärtig, wenn wir über die Mobilität der Zukunft sprechen – wie wird aus Ihrer Sicht die E-Mobilität unsere Städte bzw. das Leben verändern?

Bei Mercedes-Benz haben wir die Weichen für eine softwaregetriebene und emissionsfreie Zukunft gestellt: Wir bereiten uns darauf vor, noch vor Ende des Jahrzehnts vollelektrisch zu werden – wo immer die Marktbedingungen es zulassen. Schon bis Ende dieses Jahres werden wir in allen Segmenten batterieelektrische Fahrzeuge anbieten. Solche Entscheidungen werden Städte nachhaltig verändern. Mit Hilfe künstlicher Intelligenz wird sowohl der städtische Verkehrsfluss als auch die Logistikdistribution optimiert. Stadtbewohner:innen werden flexibel ihre Mobilitätsoptionen wählen können, während private Fahrzeuge für viele als persönlicher Lebensraum weiterhin begehrenswert sind. Fahrzeuge werden untereinander vernetzt sein und damit einen wertvollen Beitrag zur Verbesserung der urbanen Infrastruktur leisten. Car-to-Car Kommunikation wird die urbane Infrastruktur ergänzen. Anonymisierte Fahrzeugdaten werden dazu beitragen, Staus vorauszusagen oder potenzielle Unfallschwerpunkte zu identifizieren. Das alles macht die Stadt der Zukunft lebenswert. Ich bin stolz, mit Mercedes-Benz Urban Mobility Solutions diesen Wandel mitzugestalten.

Neben der E-Mobilität ist auch das Thema intelligenter vernetzter Mobilität mit Bezug auf Daten brandaktuell. Was erwartet uns hier?

Intelligente und vernetzte Mobilität wird Teil unseres Alltags werden. Darüber hinaus gibt es eine Vielzahl wichtiger Initiativen, über die wir mittels einer Daten- und Analytics-Plattform intelligente und vernetzte Städte mit unseren Lösungen unterstützen können. Daten sind für uns ein wichtiger Rohstoff, um datenbasierte Lösungen zu entwickeln. Es geht jedoch insbesondere darum, aus diesem Rohstoff handlungsleitende Informationen und Erkenntnisse zu generieren. Wir wissen inzwischen, dass wir auf diese Weise und über eine klare Visualisierung der Daten über ein Dashboard einen großen Mehrwehrt zum Beispiel für Stadtplaner:innen schaffen. Diese können auf dieser Basis wiederum Entscheidungen zur Erhöhung der Verkehrssicherheit treffen.

Gibt es bereits konkrete Beispiele, wie Fahrzeugdaten einen Nutzen im urbanen Raum leisten können?

Hier ist die eingangs bereits erwähnte Zusammenarbeit mit der Stadt London ein gutes Beispiel. Als erste europäische Metropole nutzt London gezielt Daten der Mercedes-Benz-Fahrassistenzsysteme, um die Straßen der Stadt für alle sicherer zu machen. Der Fokus liegt dabei auf Fußgänger:innen und Zweiradfahrer:innen. Unser Team hat in einem Pilotprojekt mit der Behörde „Transport for London“ (TfL) das „Mercedes-Benz Road Safety Dashboard“ entwickelt. Basierend auf aggregierten Einzelmeldungen aus Fahrassistenzsystemen, die heute in nahezu allen Mercedes-Benz-Baureihen angeboten werden, können umfassende Analysen durchgeführt werden, sofern die Fahrerin oder der Fahrer dem aktiv über die „Mercedes me“- App zustimmt. Anhand dieser Daten können wir kritische Stellen im Großraum London erkennen, die ein potenzielles Sicherheitsrisiko für schwächere Verkehrsteilnehmer:innen darstellen. Diese Punkte kann die Stadt dann durch verkehrsplanerische Maßnahmen entschärfen, bevor ein Unfall passiert. Das ist aus unserer Sicht ein Meilenstein auf dem Weg zum unfallfreien Fahren. London ist dabei nur der Startpunkt.

Partnerschaften sind wichtige Katalysatoren, um ein komplexes System wie die Stadt fit für die Zukunft zu machen. Was muss seitens der Stadtentwicklung passieren?

Um neue Impulse, Bedürfnisse und Trends urbaner Mobilität frühzeitig zu identifizieren und aufzugreifen, sind Partnerschaften essenziell. Wir sind davon überzeugt, dass das Schaffen ge- meinsamer Werte der Schlüssel zur nachhaltigen urbanen Mobilität der Zukunft ist. Deshalb arbeiten unsere Teams eng mit Vertreter:innen von Städten, Partnern aus Industrie, Planer:innen und Forscher:innen sowie weiteren Mercedes-Benz-Geschäftsbereichen zusammen. Dadurch wollen wir neue Geschäftsfelder erschließen, das Portfolio der Mercedes-Benz Group AG weiterentwickeln und das Unternehmen auf zukünftige Entwicklungen im urbanen Personen- und Güterverkehr vorbereiten.

Was sind dabei Ihre persönlichen Wünsche für die Zukunft?

Mein Wunsch ist ganz klar die „Vision Zero“ – also ein unfall- und emissionsfreier Straßenverkehr. Mit meinem Team arbeite ich jeden Tag daran, diese Vision zu verwirklichen. Das gelingt niemandem alleine. Daher braucht es gemeinsame Anstrengungen. Ein gutes Beispiel ist hier das Projekt „Code the Streets“. Das haben wir gemeinsam mit den Städten Amsterdam und Helsinki sowie mit Vertreter:innen aus Industrie und Forschung auf die Beine gestellt. Projektziel war es, die Autos der Fahrer:innen mit den Städten zu verknüpfen, um so eine möglichst nachhaltige Routenführung anbieten zu können. In allen Projekten mit Städten und Kommunen erleben wir die Begeisterung für die gemeinsame Arbeit.

Wie würden Sie den heutigen Stand der Entwicklung in Bezug auf urbane Mobilität sehen?

Themen der Digitalisierung und digitalen Vernetzung im urbanen Raum sind längst keine Unbekannten mehr. Gleichzeitig werden Forderungen in die Richtung einer nachhaltigeren urbanen Mobilität von Tag zu Tag größer. Wir sehen zudem ganz deutlich in unserer Arbeit, dass auch immer mehr kleinere Städte und Kommunen auf der Suche nach entsprechenden Lösungen sind. So reicht das Spektrum unserer städtischen Projektpartner von Metropolen wie London bis hin zu lokalen Kreisen wie dem Zollernalbkreis. Mit den Urban Mobility Systems etablieren wir konkrete Lösungen für ganze Städte oder einzelne Quartiere. Wir beraten Städte und städtische Interessensgruppen (zum Beispiel Quartiersentwickler:innen und Eventveranstalter:innen) in der Konzeption und Umsetzung ganzheitlicher Mobilitätssysteme zur Lösung ihrer Mobilitätsherausforderungen. Unser Ziel ist es, bessere Anbindungen zu ermöglichen und bestehende Mobilitätslösungen clever zu vernetzen. Kunden profitieren dabei von der breit aufgestellten Expertise des Konzerns sowie von maßgeschneiderten Lösungen. Mit uns wird nicht nur ein umfassendes und ganzheitliches Konzept entwickelt, es wird auch mit Hilfe unseres starken internen und externen Netzwerks realisiert und betriebsreif übergeben.

Unser Ansatz ist es, Veränderungen heute mit konkreten Ansätzen anzustoßen und weniger Zeit mit Konzeptpapieren zu verlieren. Hier freuen wir uns über Gleichgesinnte, die diesen pragmatischen Ansatz mit uns teilen.

Vielen Dank für das interessante Gespräch.

Daniel Deparis

Daniel Deparis, Head of Urban Mobility Solutions, Mercedes Benz Group AG

Daniel Deparis, Head of Urban Mobility Solutions, Mercedes Benz Group AG

leitet seit 2019 den Bereich „Urban Mobility Solutions“ bei der Mercedes-Benz Group AG. Gemeinsam mit seinem Team vernetzt er alle Kräfte im Unternehmen, die sich mit urbaner Mobilität beschäftigen, und arbeitet an neuen Produkten und Lösungen, die zur Verbesserung der Lebensqualität in Städten beitragen.

Autorin

Csilla Letay