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BESCHLEUNIGUNG

Auswirkungen der Zeitenwende in der Energiewirtschaft auf den Verkehrssektor

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Aus Sicht der Energiewirtschaft verbinden sich mit der Verkehrswende diverse Transformationsanforderungen.

Silvia Gietkowski © VKU e.V.

Silvia Gietkowski © VKU e.V.

Der Krieg in der Ukraine hat eine oft zitierte Zeitenwende für die deutsche Energiewirtschaft eingeleitet, die auch weitreichende Folgen für Deutschland und Europa hat. Neben einem neuen Verständnis von nationaler Sicherheit steht aus energiewirtschaftlicher Sicht das Bemühen um weniger Abhängigkeit von fossilen Energieträgern wie Erdgas, Öl und Kohle im Vordergrund.

Die Beschleunigung der Energiewende ist also das Gebot der Stunde. Die Bundesregierung hat mit der neuen Gesetzgebung in der ersten Jahreshälfte den Ausbau erneuerbarer Energien vorangetrieben, die, insbesondere auch aufgrund der neuen Anforderungen an die Energiesouveränität Deutschlands, schnell auf den Weg gebracht wurde. Bereits angekündigt ist auch der Abbau weiterer Genehmigungshindernisse und die zusätzliche Beschleunigung von Verfahren. Zu erwähnen sind dabei beispielsweise die EEG-Reform, die bessere Investitionsanreize für den Ausbau schafft, das Wind-an-Land-Gesetz, das eine verbindliche Flächenbereitstellung für die Erzeugung von Windkraft vorsieht, das Wind-an- See-Gesetz, das mit neuen Ausbauzielen für Offshore-Windanlagen aufwartet, und die Novelle des Bundesnaturschutzgesetzes, die die Artenschutzprüfung zugunsten eines beschleunigten Ausbaus vereinfacht.

Was bedeutet dies für den Verkehrssektor?

In verkehrspolitischer Hinsicht findet bereits seit einiger Zeit ein Umdenken statt: So sieht die Nachhaltigkeitsstrategie der Bundesregierung Minderungsziele für den Endenergieverbrauch des Güter- und des Personenverkehrs bis zum Jahr 2030 vor (jeweils eine Minderung um 15 bis 20 % gegenüber 2005). Die meisten deutschen Automobilhersteller haben den Ausstieg aus der Verbrennertechnologie angekündigt.

Die Zulassungszahlen von Autos mit Elektroantrieb erreichten 2021 mit rund 356.000 Fahrzeugen einen neuen Rekord. Ihr Anteil an den Neuzulassungen liegt inzwischen bei rund 13,5 %. Und der Trend soll sich fortsetzen: Bis 2030 strebt die Bundesregierung 15 Millionen vollelektrische Pkw an und es soll eine Million öffentlich zugängliche Ladepunkte geben. Damit kommt der Sektor auf einen zusätzlichen Strombedarf von über 40 TWh (plus 7 % gegenüber 2021).

Was braucht die Mobilität von morgen?

Die Bundesregierung hat im Dialog mit beteiligten und betroffenen Akteur:innen den Ausbau öffentlich zugänglicher Ladepunkte beschleunigen können. 2021 war bisher das Jahr mit dem größten Zuwachs an neuen öffentlichen Ladestationen. Zum Stichtag 1. Dezember ist die Zahl innerhalb eines Jahres um 11.600 auf 51.000 gestiegen. Deutschlandweit waren am 1. Juli 2022 insgesamt 63.570 Ladepunkte für Elektrofahrzeuge in Betrieb, die das Anzeigeverfahren der Bundesnetzagentur abgeschlossen hatten. Damit ist eine erste Grundlage geschaffen, auf der die Elektromobilität in Deutschland zu einem Erfolgsmodell werden kann. Nun kommt es darauf an, diese Entwicklung nicht abreißen zu lassen und insbesondere die Stadtbevölkerung an der E-Mobilität teilhaben zu lassen, denn hier zeichnen sich noch Lücken in der Versorgung mit Ladeinfrastrukturen ab. Vor allem in städtischen Wohngebieten mit Mehrfamilienhäusern fehlen für eine größere Anzahl an Fahrzeugen Lademöglichkeiten vor Ort.

„Wohnen & Laden“ muss der Schwerpunkt für das Normalladen sein

Bisher dominieren vor allem öffentlich zugängliche Normalladepunkte (54.791 vs. 10.017 Schnelladepunkte ab 22 kWh, Stand Juli 2022). Die Normalladeinfrastruktur in öffentlich zugänglichen Räumen wird auch weiterhin benötigt, muss aber in den nicht öffentlichen Bereichen der Stadt viel stärker ausgebaut werden, damit die Menschen ihr Fahrzeug an „ihrer“ Wallbox (eine spezielle Form der Elektroladesäule, die vor allem in Privathaushalten zum Einsatz kommt) längere Zeit, z. B. über Nacht, laden können. „Wohnen & Laden“ muss der Schwerpunkt für das Normalladen sein.

Die E-Mobilität kann aber nur allgemeine Akzeptanz erreichen, wenn auch akuter Ladebedarf einfach und schnell gedeckt werden kann. Außerdem sollte jedem Mieter bzw. Mieterin „seine“ Wallbox zur Verfügung stehen, da sich viele Parkräume auf öffentlichem Grund befinden. Hier ist es notwendig, dass zukünftig verstärkt Schnellladestandorte entstehen.

Was wir brauchen: eine diversifizierte, nachhaltige und dezentralisierte Energieversorgung

Auch aus Sicht der Energiewirtschaft verbinden sich mit der Verkehrswende diverse Transformationsanforderungen, wenn man den zukünftigen Bedarf an Energie für die Elektrifizierung des Verkehrs betrachtet (hier gibt es unterschiedliche Szenarien, zusätzlich ca. 175 TWh, Stand 2018) . Fazit: Wir brauchen langfristig eine diversifizierte, nachhaltige und dezentralisierte Energieversorgung. Das zeigt die Ukraine-Krise mehr denn je. Zumal ein dezentrales System gegenüber Angriffen von außen resilienter ist als ein zentralistisches. Essenziell ist auch der Umbau unserer netzgebundenen Infrastrukturen, so ist für die weitere Elektrifizierung des Verkehrssektors beispielsweise ein modernes und zuverlässiges Stromnetz unabdingbar.

SILVIA GIETKOWSKI

ist seit Mai 2022 beim Verband kommunaler Unternehmen. Als Referentin für Grundsatzfragen nachhaltiger Mobilität ist Silvia Gietkowski Ansprechpartnerin für die Themen alternative Antriebe und Klimaneutrale Mobilitäts- und Fuhrparkkonzepte. Ihr Masterstudium der Nachhaltigkeitsgeografie hat sie in Greifswald abgeschlossen und sich in der Masterarbeit mit dem Thema Betriebliches Mobilitätsmanagement auseinandergesetzt

Autorin

Silvia Gietkowski